Aktuelle Meldung
Diskussionen um den Baumschutz
(29.03.2011) Liebe Leser meiner Website, vor kurzem hat die FDP Fraktion einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, die Gehölzschutzsatzung in Meißen aufzuheben.
Verwiesen sei hierbei auf die Website des FDP Ortsverbandes, auf der Sie mehr Informationen finden können: FDP Fraktion Fordert Abschaffung der "Gehölzschutzsatzung"
die Reaktionen folgten prompt! Wenn Sie dann auf "weiterlesen" klicken, finden Sie einen Mailverlauf, welcher anonymisiert, exemplarisch ist für viele Mails die ich erhalten habe.
Ich wünsche viel Spaß beim lesen. Ich hoffe Sie kommen bis zu meiner Antwort ;)
Mit freundlichen Grüßen
Martin Bahrmann
Sehr geehrter Herr Bahrmann,
leider ist es in Deutschland so, dass die Demokratie nicht nur für Deutschlands Entwicklung förderlich sondern auch schädigend ist. Sei es die unzureichende Gesetzgebung bezüglich einer Förderung von Familien oder überhaupt die Maßnahmen, die tatsächlich dazu beitragen, endlich dafür zu sorgen, dass in dieser Gesellschaft wieder mehr Kinder geboren werden, oder sei es die Einführung eines Mindestlohnes. Leider ist es der FDP mit Versprechen, die auf egoistische Bedürfnisse abzielen, gelungen, die 5%Hürde zu nehmen und in den Bundes- oder Landtag und sogar Regierung zu kommen. Die FDP wäre jedoch nie in die Regierung gekommen, wenn zum einen alle Nichtwähler berücksichtigt würden und es zum anderen keine Möglichkeit gäbe, auf Basis von Koalitionen in die Regierung zu gelangen. Nur so ist es möglich, dass die FDP Gesetze erlässt, die zum Schaden der Gemeinschaft sind. Zu diesen unrühmlichen Gesetzen zählt auch die neue Baumsatzung. Was die Freiheit angeht, so bedient die von der FDP propagierte Freiheit vor allem egoistische Ziele, unter anderem eine Bereicherung Einzelner auf Kosten anderer. Unsere Gesellschaft kann nur überleben, wenn wir Rücksicht auf andere nehmen und langfristige Ziele verfolgen, die dem Wohl aller Menschen dienen. Die Freiheit, keine Kinder in die Welt zu setzen, bedeutet letztendlich den Verlust unserer kulturellen Identität, denn in einigen Jahren werden wir Deutschen in der Unterzahl sein. Die Freiheit, die Welt koste es was es wolle wegen unseres gigantischen Konsums auszubeuten, bedeutet den Verlust der Arten, bedeutet Klimaerwärmung usw.
Und die neue Baumfallsatzung? Für den Einzelnen eine Erleichterung für die Gemeinschaft den Verlust des Grüns in unseren Städten und Gemeinden. Hohe Bäume werden in der Zukunft noch verstärkter als bisher abgeholzt werden, denn für den Einzelnen bedeuten diese Laub und Schatten. Anbei habe ich Ihnen einige Auszüge aus der Homepage des Bayrischen Gartenbauvereins zum Erhalt des Grüns beigefügt. Wenn Sie also derartige Forderungen aufstellen, wie heute in der SZ zu lesen, dann denken Sie dabei doch einfach nicht nur an Ihre Karriere und die Stimmen die Sie bei der nächsten Wahl erzielen wollen, sondern an das, was Sie für die Gesellschaft Positives tun können. Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt, wie viele Jahrzehnte ein Baum braucht um einen 1m dicken Baumstamm zu erhalten (1m Druchmesser oder Umfang???).
--> hier folgte dann eine Aufzählung der guten Eigenschaften von Bäumen von der Homepage Bayrischer Gartenbauvereins, welche ich der kürze halber aussparen möchte.
Meine Antwort auf diese Mail war wie folgt:
[Anrede]
vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben mir eine Mail zum 'Thema Baumschutzsatzung und deren Abschaffung zukommen zu lassen. Ich finde dies sehr gut, da dadurch (fernab von der politischen Einstellung) eine Möglichkeit zum Dialog gegeben ist.
Aus diesem Grund möchte ich auch auf die FDP Schelte nicht näher eingehen, da ich diese, als Ihre Meinung, natürlich respektiere (auch das ist ein Ausdruck des liberalen Freiheitsdenkens).
Lassen Sie mich bitte die 3 Kernpunkte des Anliegens meiner Fraktion näher erklären.
Zu allererst der profanste Grund: Es geht schlicht um die Umsetzung der Landesgesetzgebung, mag man davon auch halten was man will.
Als nächstes geht es um ein hohes Maß an Einsparung von Bürokratie. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, welche momentan unglaublich großen Aufwand betreiben, auch den kleinsten Baum zu untersuchen können so an anderen stellen Ihre Fähigkeiten einsetzen. Gleichzeitig wird Papier und natürlich Fahrweg mit dem Auto (und damit natürlich Sprit und Feinstaub) eingespart. Das ist auch im Sinne der Umwelt und der Bürger, denn wir alle Zahlen diese Kosten gemeinsam durch unsere Steuern.
Und nun zum eigentlich schwerwiegendsten... und von Ihnen sehr kritisierten Grund.. der persönlichen Freiheit.
Gestatten Sie mir da bitte eine Zweiteilung. Zum einen in die politische Sicht und zum Anderen auch in Bezug auf meine eigenen Erfahrungen.
Politisch und liberal gesehen ist hier die Sache für mich sehr klar. Die Bürger sollen selbst darüber entscheiden, was in Ihrem Garten wächst und wie lange, bzw. wie hoch.
Man sollte in diesem Punkt auch Vertrauen in die Bürger haben. In anderen Städten des Landes funktioniert das Ganze ohne Baumschutzsatzung auch tadellos. Das "Kettensägenmassaker" an Bäumen ist ausgeblieben. Das hat auch mehrere Gründe, welche Sie bereits genannt haben. Ich bin so frei und zitiere Sie hier:"für den Einzelnen bedeuten diese Laub und Schatten". Aber auch die von Ihnen angefügten sehr guten Hinweise, wie z.B.:
gibt Schatten an heißen Tagen
vermindert Lärm und bremst den Wind.
Bäume verhindern die Bodenerosion und erhalten die Bodenfruchtbarkeit
Laub liefert einen hervorragenden Kompost und Kompost ist im Garten durch nichts Besseres zu ersetzen.
sind eben der Grund, warum sich jeder Hausbesitzer überlegt einen Baum zu fällen. Besonders die letzten beiden Punkte erfreuen jeden Heimgärtner. Jetzt hat er aber die Möglichkeit frei darüber zu entscheiden. Als Politiker, aber auch als ökologisch bewusster Mensch, sollte man auch vertrauen darin haben, dass der Bürger mit dieser Freiheit verantwortlich umgehen kann und diesen nicht bevormunden.
Und hier findet der Punkt auch einen Übergang zu meinen persönlichen Ansichten. Ich kenne selber einen Fall, da wuchs ein Baum (der halbtot war) schräg in Richtung eines Privatwohnhauses und zerstörte nach und nach die Bausubstanz. Der Besitzer des Hauses hat Jahrelang um eine Fällgenehmigung gekämpft um Schaden für sich, seine Gäste und sein Haus zu vermeiden. Dies wurde immer abgelehnt. Nun frage ich Sie (zugegebener Maßen auch in rhetorischer Art): Ist es besser wenn der Baum das Haus zerstört oder am Ende durch herabfallende Äste jemand zu Schaden kommt?
Auf der anderen Seite besitze ich (bzw. meine Familie) selbst ein Grundstück mit einigen wundervollen Bäumen darauf. Mir würde momentan im Leben nicht einfallen diese abzuholzen. Ich habe bisher aber auch vermieden, neue Bäume zu pflanzen, da ich nicht wissen konnte, ob ich diese wenn es denn nötig werden würde so einfach fällen könnte. Sollte der Antrag im Stadtrat mit Mehrheit beschieden werden, so werde ich persönlich wieder darüber nachdenken neue Bäume zu pflanzen, denn ich habe dann die Sicherheit und die Freiheit diese auch wieder unkompliziert zu entfernen, sollte es nötig werden. Alleine in der Zeit, in der diese von mir sonst nie gepflanzten Bäume entstehen, können diese Ihre ganzen positiven Eigenschaften entfalten. Auch das gehört zu meinem Verständnis von Umwelt und Ökologie. Ich bin mir nach vielen Gesprächen auch sicher, dass dies auch andere Mitbürger so sehen.
Sie sehen also, dass meine Erwägungen nichts mit Karriere oder Stimmenfang zu tun hat. Für mich ist die Abschaffung der "Gehölzschutzsatzung" ein Zugewinn an Freiheit und damit auf das äußerste Positiv für die Gesellschaft.
Eine kleine Anmerkung nebenher: Kleingärten werden im Übrigen nach dem Bundeskleingartengesetz behandelt und haben mit der Baumschutzsatzung der Stadt Meißen nichts zu tun. Dies gilt Ebenso für Forstarbeiten auf städtischem Grund.
Zum Schluss möchte ich gern noch Ihre, zugegebener Maßen rhetorische, Frage beantworten. Wenn ich im Biologieunterricht, der bei mir noch nicht all zulange her ist, gut aufgepasst habe, so ist das Wachstum von Bäumen von vielen Faktoren, wie z.B. Standortverhältnisse und dem Klima, abhängig. Dementsprechend entwickelt der Baum in der Vegetationsperiode ein unterschiedlich starkes Wachstum. Dies kann man ja an den Jahresringen sehen. In guten Jahren sind diese dicker als in schlechten Jahren. Es ist also unterschiedlich wie lange es dauert bis ein Baum 1m dick wird. Geht man von einer durchnittlichen Dicke eines Jahresringes von 3mm aus (also 6mm Wachstum im Durchmesser), so dauert es rund 170 Jahre bis ein Baum einen Meter Durchmesser hat. Ein stolzes Alter für einen Baum-Opa hier in Deutschland!
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
--
Martin Bahrmann
Vorsitzender des FDP Ortsverbandes Meißen
stellv. Kreisvorsitzender der FDP Meißen
Tel: 0174/3287270
Fax: 03521/404880
E-Mail: martin.bahrmann@gmail.com
www.fdpmeissen.de